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KHWEKATHOLISCHE HOSPITALVEREINIGUNG WESER – EGGE

Klinikum Weser-EggeAkad. Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen

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Presse / News

"Jetzt tue ich was für mich!"

08.08.2018

Beruflicher Neustart in der Pflege: Drei Menschen aus dem Kreis Höxter haben es gewagt

Kreis Höxter. Als Mutter jahrelang aus dem Beruf und unqualifizierte Jobs ohne Perspektive. So ging es Michaela Beuke (46) aus Steinheim. Die gelernte Einzelhandelskauffrau jobbte auf Minibasis als Servicekraft im Café, bis sie entschied: Das reicht mir nicht. "Als meine drei Jungs aus dem Gröbsten 'raus waren, hatte ich eine Eingebung: Quereinstieg in die Pflege."

Michaela Beuke macht einen Termin beim Arbeitsamt, nimmt Flyer von Qualifizierungsmaßnahmen mit. Eine Woche später beginnt sie ein Praktikum im St. Rochus Krankenhaus Steinheim, die Voraussetzung für die Teilnahme an der Weiterbildung "Assistent/in in der Pflege" (AssiP) am Bildungszentrum Weser-Egge in Brakel. "Ich habe nicht lange überlegt. Es war klar, dass ein Weg zurück in den alten Beruf nicht in Frage kommt, das war mir auch zu langweilig. Ich wollte was machen, was mir Spaß macht. Und mein Partner und meine Eltern standen voll hinter mir."

"Wir haben uns wie Teenager gefühlt"

Dieser Schritt erweist sich für Michaela Beuke als Volltreffer. Nach dem halbjährigen Kurs, der zwei weitere Pflegepraktika im Kranken- und Seniorenhaus beinhaltet, weiß sie: Krankenpflege ist genau mein Ding. "Der Kurs hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben uns nochmal wie Teenager gefühlt", lacht Michaela Beuke.

Auch Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums, das zur Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge gehört, schwärmt noch von dem ersten AssiP-Kurs, der 2012 stattfand. Sie hat das Konzept für die Qualifizierungsmaßnahme entwickelt, die zur Grundpflege und zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten in Kranken- und Seniorenhäusern befähigt. In der Regel erfolgt eine Finanzierung über das Arbeitsamt oder das Jobcenter. "Der Kurs integriert außerdem die staatliche Weiterbildung zur Betreuungskraft, die Kompetenzen zum Umgang vor allem mit Demenzkranken vermittelt. Ich kann also nach dem Kurs entscheiden, ob ich in der Betreuung oder in der Pflege am Patienten arbeiten will", erklärt Ute Pägel.

Weiterbildung "Assistentin/Assistent in der Pflege"

Die Qualifizierungsmaßnahme "Assistentin/Assistent in der Pflege" ist ein Angebot des Bildungszentrums Weser-Egge und wird in der Regel über das Arbeitsamt oder das Jobcenter finanziert. Der sechsmonatige Kurs mit Theorieblöcken und Praxiseinsätzen befähigt, die Grundpflege bei Patienten und auch bestimmte Prophylaxen durchzuführen. Sie befähigt obendrein, alte Menschen in den Seniorenhäusern zu betreuen. Der nächste Kurs startet am 25. September 2018. Informationen unter 0 52 72 - 607 19 01.


An ihrem Job liebt Michaela Beuke die Arbeit am Patienten: "Mir ist die individuelle Pflege wichtig. Ich nehmen den Patienten nichts ab, was sie selbständig können. Das kostet im ersten Moment vielleicht etwas mehr Zeit, aber am Ende lohnt es sich. Die Patienten danken das, sind dann zufriedener und klingeln auch weniger."


Michaela Beuke hat ihre Berufung in der Pflege gefunden. Sie arbeitet jetzt in der Akutgeriatrie am St. Rochus Krankenhaus Steinheim.zoom
Michaela Beuke hat ihre Berufung in der Pflege gefunden. Sie arbeitet jetzt in der Akutgeriatrie am St. Rochus Krankenhaus Steinheim.


"Engel der Station"

Einen ähnlichen Senkrechtstart hat Gudrun Rochell aus Siddessen hingelegt. Als zweifache Mutter ist sie gut zehn Jahre lang für einen Verpackungsservice tätig, übernimmt die sogenannte "Hausfrauenschicht" am Nachmittag. Nach der Insolvenz des Unternehmens stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Ein privater Schicksalsschlag bringt die heute 54-Jährige mit der Pflege in Kontakt. "Ich habe meine krebskranke Schwester zwei Jahre lang begleitet und bei diversen Krankenhausaufenthalten leider nicht immer schöne Erfahrungen gemacht. Da habe ich mir schon immer gedacht: Ich würde das anders machen."

Auch Gudrun Rochell macht einen Termin beim Arbeitsamt und schnell Nägel mit Köpfen. Der AssiP-Kurs wird ihr sofort bewilligt und beginnt vierzehn Tage später nach einem verkürzten Altenpflegepraktikum: "Es war zwar komisch, nach so vielen Jahren wieder die Schulbank zu drücken, aber das Arbeiten war einfach nur toll. So viel Anerkennung zu bekommen und Erfolgserlebnisse zu haben. Bestimmt dreimal schon hat man mich Engel der Station genannt." 

"Ältere Neueinsteiger sind sehr beliebt"

Im Seniorenhaus will man Gudrun Rochell gar nicht wieder gehen lassen, aber ihr Herz schlägt noch ein bisschen mehr für die Krankenpflege. Heute arbeitet sie als Pflegeassistentin in der Abteilung für Unfallchirurgie am St. Vincenz Hospital Brakel. "Man sieht bei den Patienten oft tolle Heilungserfolge und es ist schön, ihnen Mut zuzureden. Kommunikation ist überhaupt sehr wichtig. Man hat meist nicht viel Zeit, aber oft reichen wenige Minuten: kurz stehen bleiben, zuhören, mitfühlen und zeigen: Du bist wichtig."

Dass gerade ältere Neueinsteiger sehr beliebt bei Patienten sind und oft fokussiert werden, weiß auch Schulleiterin Ute Pägel. "Sie bringen eine ganz besondere Qualität in die Arbeit rein. Sie sind engagiert, bringen frischen Wind und gleichzeitig bringen sie viel Lebenserfahrung mit und strahlen Sicherheit aus. Deshalb nehmen sie auch oft unsere jüngeren Pflegeschüler an die Hand und kümmern sich um sie."


"Engel der Station": Gudrun Rochell ist wegen ihres Engagements und Mitgefühls sehr beliebt bei den Patienten.zoom
"Engel der Station": Gudrun Rochell ist wegen ihres Engagements und Mitgefühls sehr beliebt bei den Patienten.


"Zahlen waren nicht mehr mein Leben"

Einen kompletten Neuanfang wagt vor fünf Jahren auch Peter Siebert aus Lauenförde. Als gelernter Industriekaufmann ist er seit Anfang 20 erst in einem Gartenbau-, dann in einem Möbelgeschäft angestellt. Als er bei einer Freundin den Quereinstieg in die Pflege miterlebt, orientiert er sich neu. "Das war schon ein enormer finanzieller Einschnitt und auch jetzt verdiene ich weniger als vorher. Aber die Zufriedenheit ist wichtiger: Zahlen und Buchhaltung waren nicht mehr mein Leben."

Peter Siebert geht heute jeden Tag gerne zur Arbeit ins Seniorenhaus St. Johannes Baptist in Beverungen. Er arbeitet dort als Betreuungskraft und gestaltet den Alltag der Bewohner. "Wie ein Lehrer bereite ich die Tage vor und überlege mir Tätigkeiten in der Gruppe oder auch individuelle Beschäftigungsmöglichkeiten." Für die Demenzkranken spielt Biografiearbeit eine große Rolle, erklärt Peter Siebert. Die Konfrontation mit gewohnten Dingen wie zum Beispiel Handarbeiten oder Schlagermusik bringt Erinnerungen hervor und aktiviert die Bewohner. Selbst historisch sehr interessiert, stellt der 51-Jährige gerne alte Fotos aus der Region zusammen und erzählt Geschichten dazu. "Man sieht richtig, wie das Leben wieder kommt. Menschen, die teilweise gar nicht mehr ansprechbar sind, bekommen plötzlich ein Lächeln ins Gesicht. Das ist einfach großartig." 

Mit dem beruflichen Neustart kam auch das private Glück

Bewohner, die nicht mehr mobil sind, besucht Peter Siebert auf ihrem Zimmer. "Hier geht es um individuelle Betreuung: reden, zuhören oder auch um körperliche Zuwendung, zum Beispiel Massagen an Armen und Händen. Das gestalte ich je nach Bedürfnis und Tagesform."

Nach dem Assip-Kurs arbeitet Peter Siebert zunächst Teilzeit und jetzt mit 90 Prozent fast Vollzeit für das Seniorenhaus. Inzwischen ist er dort auch für die Mitarbeitervertretung tätig. Die berufliche Veränderung hat bei Peter Siebert ganz nebenbei auch ein privates Glück mit sich gebracht: die große Liebe. Seine Frau lernte er im AssiP-Kurs kennen und lieben. Inzwischen leben die beiden mit ihren Kindern zusammen und sind verheiratet. "Ich bin sehr glücklich!"


"Einen besseren Job hätten wir nicht treffen können." Peter Siebert (51) aus Lauenförde, Michaela Beuke (46, 2. v. l.) aus Steinheim und Gudrun Rochell (54, rechts) aus Siddessen sind glücklich über ihren beruflichen Neustart. Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Weser-Egge, hat die Weiterbildung zum "Assistenten in der Pflege" entwickelt.  zoom
"Einen besseren Job hätten wir nicht treffen können." Peter Siebert (51) aus Lauenförde, Michaela Beuke (46, 2. v. l.) aus Steinheim und Gudrun Rochell (54, rechts) aus Siddessen sind glücklich über ihren beruflichen Neustart. Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Weser-Egge, hat die Weiterbildung zum "Assistenten in der Pflege" entwickelt.